Interkulturelles Frauenmusikfestival im Hunsrück – was ist das?

Zur Zeit entsteht eine Dokumentation über die Geschichte des Festivals. Die DVD soll Ende diesen Jahres veröffentlicht werden (Stand: August 2015)

Klick aufs Radio zum Download eines Radiointerviews mit spacefemfm vom Juni 2011 mit Bahara vom Orgateam

 

Das erste Frauenmusikfestival im Hunsrück im Jahre 1994 findet so viel Anklang, dass 1995 eine neu entstandene Gruppe von Frauen die Idee übernimmt und auf den Erfahrungen und Strukturen des ersten Frauenmusikfestivals aufbaut. Diese Gruppe organisiert – mit kleineren und größeren personellen Veränderungen - das Festival bis heute.

Das Interkulturelle Frauenmusikfestival ist ein Fest, ein Fest ausschließlich von und für Frauen. Jede, die einmal dagewesen ist, kennt den Grund dafür: diese besondere, schwer in Worte zu fassende Atmosphäre von Freiheit und Offenheit.

Die Musikerinnen sollen hier einen Freiraum vorfinden, den sie sonst nicht haben. Uns Organisatorinnen ist es wichtig, dass die Frauen auf der Bühne - auch mittels eigener Texte - von ihren ureigenen Sehnsüchten, von ihrem Blick auf die Welt, von ihrer Geschichte und der ihrer Kultur, von ihrer Armut und ihrem Reichtum erzählen. Damit möchten wir dazu beitragen, dass sich Frauen unterschiedlicher Kulturen und Identitäten begegnen und sich näher kommen. Hier steht der musikalische Nachwuchs neben den "Großen" auf der Bühne.

Und natürlich lebt das Festival nicht allein von der Musik!.


Viele Freundinnen des Festivals bemühen sich um eine möglichst breite Streuung. Um auch die Frauen aus den Nachbarländern zu erreichen, wird das Programm in möglichst viele Sprachen übersetzt. Besonders wichtig sind auch regionale Bezüge, denn das Festival ist hier im Hunsrück zu hause. Schließlich, im Zeitalter des Computers angekommen, wird diese Aufgabe ein bisschen leichter. Die erste Webseite entsteht.All die vielen Frauen, die sich angesprochen fühlen, müssen auch die Möglichkeit bekommen, das Gelände tatsächlich begehen und berollen zu können und sich zurechtzufinden. Ungezählte Mitarbeiterinnen legen Plastikwaben aus, um wenigstens die wichtigsten Verbindungswege berollbar zu machen. Anlaufstellen und Infostelltafeln sollen Fragen beantworten, Dolmetscherinnen die wichtigsten Dinge übersetzen.

Die Arbeit an der Infrastruktur wird immer umfangreicher, immer mehr Details machen den Aufenthalt leichter und angenehmer. Die ersten Besucherinnen mit Rollstühlen erscheinen; die erste Frau aus Slowenien reist an; die erste gehörlose Frau freut sich, dass sie die Texte der einen Band, die von Gebärdensprachdolmetscherinnen begleitet wird, mitverfolgen kann. Diese Erfolge lassen uns Organisatorinnen vergessen, dass wir manchmal überlastet sind, dass peinliche Pannen geschehen und Außenstehende versuchen, uns Steine in den Weg zu legen. Diese Erfolge machen Mut. Dutzende, mittlerweile Hunderte von ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Freundinnen, die das Festival unermüdlich moralisch, tatkräftig und finanziell unterstützen, genießen und freuen sich mit.


Nun soll es auch noch einen Rahmen geben, in dem all diese Frauen sich wohlfühlen. Eine kreative, fröhliche, kommunikative und entspannte Stimmung wollen wir fördern. Schon die Auswahl des Geländes trägt dazu bei: eine wildromantische Bachaue, von Wäldern gesäumt. Ein Kunsthandwerkerinnenmarkt mit erstaunlichen und wechselnden Angeboten, von der Musik-CD über selbstgenähte Lederartikel bis hin zu Büchern und Töpferinnenware verleitet viele dazu, sich die Stände immer wieder anzuschauen.

Wir als Organisatorinnen wissen: Liebe geht durch den Magen. Was darf's also sein? Verschiedene Variationen köstlicher vegetarischer Menüs zu angemessenen Preisen?
Oder ein kleiner Snack für zwischendurch? Oder wollt ihr lieber selbst kochen und euch dafür vor Ort am Bio-Marktstand inspirieren lassen? Auch eine Pizzeria ist nicht weit für die Fleischhungrigen unter euch. Den Weg dorthin verrät die Infotafel am Kassenzelt.

Viele Jahre ging es auch um die Frage, ob das Festival sich finanziell tragen kann. Ohne die Unterstützung vieler spendabler Frauen wären wir schon vor Jahren steckengeblieben; wir hatten oft beinahe den Mut verloren. Um alles ein wenig besser strukturieren zu können haben wir im Jahr 2001 einen Verein gegründet. Er heißt "Interkulturelles Frauenmusik-festival im Hunsrück e.V." und bietet die Möglichkeit, uns über eine passive Mitfrauschaft zu unterstützen.

Unsere Herzensangelegenheit ist es, die Begegnung zwischen den Kulturen, den Religionen und Weltanschauungen, zwischen sozialen Schichten, zwischen Stadt und Land, zwischen Frauen mit unterschiedlichen Fähigkeiten und Lebensrealitäten mit diesem Festival zu unterstützen. Wir sehen die vielen kleinen Begegnungen, die schon geschehen sind, und die das Leben einzelner Frauen verändern. Und nicht zuletzt verändern wir uns auch selbst.


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