Das nächste Festival findet vom
24. - 26. Juli 2015 statt.



Pressestimmen

Quelle: "Trierscher Volksfreund, 30.07.02

Mut statt Tomaten

Siebtes interkulturelles
Frauenmusikfestival: Gelebte Utopie mit
viel Kreativität

SOHRSCHIED. Erstklassige Musik, internationales Publikum, keine Schlägerei,
und nicht einmal Kippen auf der Wiese:
Das siebte "Interkulturelle "Frauenmusikfestival" war richtungsweisend in Sachen Open-Air.

Da findet gleich vor der Haustür ein renommiertes Frauenmusikfestival statt, und die Macherinnen erzählen von Schwellenängsten ausgerechnet bei der regionalen Weiblichkeit. "Immerhin: Wir verzeichnen steigende Besucherzahlen auch aus der Gegend", berichtet Syrie, eine der sieben Hunsrückfrauen aus dem Organisationsteam. In der Szene derer, die frauenpolitisch aktiv sind, weiß frau mit dem Stichwort "FMF" für Frauenmusikfestival bundesweit sowieso etwas anzufangen: Es steht für Musik, für Kultur schlechthin, für Kommunikation und Internationalität.

In Zeiten der weltweiten Vernetzung kamen die 700 Camperinnen denn auch nicht nur aus der gesamten Republik, sondern aus ganz Europa, aus Amerika, Afrika und Asien. Fernab vom Einheitsbrei der in Gewicht, Größe und Gedankengut normierten Weibchen auf den Titelblättern von Vogue und Madame präsentierten hier Frauen ihre Vielfalt und ihr Können in den Bereichen Handwerk, Kunst und natürlich Musik.

Respektvoller Umgang mit der Natur

Die Logistik hatte das Orga-Team fest im Griff: Musik, Zeltaufbau, Technik ­ alles lag drei Tage lang ausschließlich in Frauenhand. Und mehr noch. Bemerkenswerte Innovationen waren auf dem sonnenüberfluteten Festivalgelände hinter Sohrschied zu beobachten: Keine Kippen fielen zu Boden. Dafür sorgten Schraubverschlussgläser auf allen Tischen und Bänken. Nirgends lagen Flaschen oder sonstiger Müll herum: Ein ausgeklügeltes Pfandsystem, zahlreiche Mülleimer und der respektvolle Umgang mit der Natur überhaupt sorgten für Sauberkeit auf dem Festivalgelände.

Für Rollstuhlfahrerinnen war eine berollbare Infrastruktur übers ganze Gelände, zur Bühne, den Ständen, zum Ruhe- und Kinderzelt sowie zur Behindertentoilette gelegt worden. "Nachdem es eine konkrete Annfrage nach den Waben gegeben hat, hat sich herausgestellt, dass diese Möglichkeit einfach nicht praktikabel ist, u.a. weil die Wiese, auf der die Waben gelagert sind, nur dann befahrbar ist, wenn sie trocken und frisch gemähnt ist. Und das ist sehr selten der Fall.
Am Wochenende übernahmen bereits zahlreiche Frauen Patenschaften für einzelne Waben, die sie sofort bemalen konnten. So entsteht langsam ein Weg ­ ähnlich dem berühmten Walk of Fame in Hollywood. An der Kasse durften die Gäste ihre Finanzkraft selbst einschätzen und zahlten gestaffelte Eintrittspreise. Sämtliche Moderationen liefen in deutscher und englischer Sprache. Täglich stand die Bühne vor Beginn des offiziellen Programms jenen offen, die sich einmal ausprobieren wollten. Statt destruktiver Tomaten und Buhrufe, die man von Events dieser Art kennt, lauschten in Sohrschied die Zuhörerinnen aufmerksam und interessiert denen, die so viel Mut hatten, sich auf die Bühne zu stellen. Die übliche Distanz zwischen denen vor und denen auf der Bühne war aufgehoben. Als angenehmes Stückchen Luxus in freier Natur erwiesen sich die zusätzlich aufgestellten Toiletten mit Wasserspülung.

2004 wird das nächste FMF im Hunsrück stattfinden, hoffentlich mit größerer Resonanz auch aus der näheren Umgebung. Denn Musikerinnen sind meist dünn gesät bei gemischt-geschlechtlichen Open-Airs ­ absolut zu Unrecht, wie das hochkarätige Bühnenprogramm an drei Tagen einmal mehr bewies.

Und das Vorurteil, dass nur Lesben Freude an Musik von Frauen haben, ist eben nichts weiter als ein Vorurteil.

NZ.28.7.1998
Leben und leben lassen prägte die Atmosphäre
Es soll weitergehen. Weil sich am Wochenende wieder so viel bewegt hat. Weil der Applaus zum Ende keine Grenzen kannte. Weil so manche beim Abschied Tränen in den Augen hatte. Trotz des langsam erdrückenden Schuldenberges, den die Organisatorinnen von Jahr zu Jahr mitschleppen - und der nicht kleiner wird - soll's 99 das sechste Musikfestival für Frauen geben.

Wäre auch zu schade, wenn jetzt Schluss wäre. Das Festival auf der idyllisch gelegenen Wiese bei Krummenau hat mittlerweile eine kleine, feine und internationale Fan-Gemeinde, die allerdings immer noch aus vorwiegend weitgereisten Frauen besteht. Doch noch nie war's so bunt, so vielfältig wie in diesem Jahr. Was unter anderem daran lag, dass die Veranstalterinnen dafür sorgten, dass auch Frauen mit Behinde-rungen auf ihre Kosten kamen. Gummiplatten wurden verlegt, so dass auch Rollstuhlfahrerinnen auf dem unwegsamen Gelände klarkamen - eine Gebärdendolmetscherin übersetzte per Gebärdensprache die Liedtexte des Duos "Tollkirschen". Immer wieder wohltuend: die friedliche Atmosphäre. Leben - und leben lassen; lieben - und lieben lassen. Keine Spur von Aggression, keine unübersichtlichen Müllberge; da landeten mehr Kippen in den Gläsern, der am Eingang ausgegeben wurden als - wie anderswo üblich - auf der Wiese, das Geschirr wurde selbst gespült. Auch Taschenlampen für den stockdunklen Heimweg hatten die Veranstalterinnen bereit gelegt. Viele kleine Detail ergeben letztlich den großen Unterschied gegenüber "gemischten" Festivals. Gelegenheit zum Plausch und zum Gedankenaustausch gab's genug: Da boten sich zum Beispiel die Stände des Kunsthandwerkerinnenmarktes an. Unter anderem gab's von Winzerinnen angebauten Wein; Bücher, Duftöle, etc. Herzstück des Festivals: ein Programm, das internationalen Musikerinnen verschiedener Richtungen bewusst viel Raum gibt, ihre kulturelle Identität durch Stimme und Instrumente lebendig werden zu lassen. Ob Kletzmer-Musik oder brasilianische Avantgarde mit Sandra Coutino - jede Künstlerin fand ihre Fans.

Alle Geschmäcker unter einen Hut bringen konnte die "One Night Stand Band", die für Super-Stimmung sorgte: Die sieben Ladies aus Hamburg coverten, was die Instrumente und die Stimmen hergaben. Furioses Finale zum Abtanzen: Gloria Gaynors "Überlebens"-Hit "I will survive". Gleiches gilt hoffentlich auch fürs Frauenfestival.


Nz.26.7.99
Friede, Freude, Frittiertes
Super-Stimmung beim sechsten Musikfestival für Frauen: Sommer, Sonne, Samba und Soul.

Wenn Frauen feiern, lacht die Sonne -eigentlich kann's kein Zufall sein, dass die Organisatorinnen des Musikfestivals für Frauen seit sechs Jahren immer Glück mit dem Wetter haben. Kein Wölkchen trübte die Stimmung im Hunsrück.

Alles beim alten - und doch immer wieder erfrischend neu: Rund ums große Festzelt entstand wieder einmal ein eigener bunter männerfreier Mikrokosmos. Frauen unter sich: keine Zwänge, viele ungeschminkt, manche grell gestylt, andere oben ohne, wieder andere mit Rasta-Locken oder halt mit kurzen Stoppelhaarschnitt.
Frauen, Friede, Freude, Freiheit, Feminismus und frittierte Gemüsebällchen: Wo gibt's das schon in dieser Form... Wo küssen Frauen, und eine andere schiebt ihre kleine Tochter im Kinderwagen über den Platz. Wo können Rollstuhlfahrerinnen - das unwegsame Gelände wird mit Waben-Boden ausgelegt - in freier Wildbahn ein Festival erleben? Die Mischung macht's: Und dafür kommen die Frauen von überall her - aus der Schweiz, aus Holland, aus dem hohen Norden oder tiefen Süden, bringen Zelte und Schlafsäcke mit, leben unter freiem Himmel. Fremde Frauen fühlen sich im idyllischen Krummenau pudelwohl - nur die einheimischen Frauen - die kann frau während der drei Tage an zwei Händen abzählen... hemmt da vielleicht das Sehen und Gesehenwerden?

Hochzufrieden waren die rührigen Organisatorinnen des Festivals: Bereits am Freitag - traditionell eher schwächer besucht - tummelten sich rund 450 Frauen auf dem Gelände, auf dem's unter anderem Stände mit Schmuck, Büchern, CDs, Kleidern etc. gab. In diesem Jahr besonders auffällig: die multikulturelle Mischung des Publikums und die vielen Kinder. Am Samstag wurde es noch voller, bereits zu früher Stunde ging's im Zelt richtig rund. Für Sommernacht-Stimmung sorgte zu Beginn Maria Virginia Gonzales Romero. Samba und Bolero-Rhythmen kamen gut an. Fetziger wurde es mit der Band "Fluxü" - Funk, Soul und Rock mit Herzschmerz-Texten waren zu hören. Lateinamerikanisches hatte die Berliner Salsa-Band "Orquesta Burundanga" nach Krummenau mitgebracht.

Ob's auch im Jahr 2000 ein Frauen-Festival geben wird, steht noch nicht fest: Schulden belasten die Organisatorinnen. Wie's weitergeht, soll der "Kassensturz 99" ergeben.


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